Liebe Rumliebhaberinnen und Rumliebhaber

Verkosten hat viel mit Genuss zu tun. Damit neue Welten zu erforschen, ein tieferes Verständnis zu erlangen und Präferenzen zu finden. Es kann auch dabei helfen aufzuzeichnen welcher R(h)um wie schmeckt und durch was er sich von anderen unterscheidet. Die Nase spielt dabei die größte Rolle, denn sie ist in der Wahrnehmung von Aromen dem Mund bei weitem überlegen. Schmecken können wir nur Bitter, Sauer, Süß, Salzig und Umami. Falls Sie das letzte nicht kennen, müssen Sie sich nicht wundern, denn es wurde erst kürzlich entdeckt. Herzhaft ist tatsächlich ein Geschmack, der oft in Parmesan, Pilzen und Fisch auffindbar ist. Dieser hat das japanische Wort für „lecker“ verliehen bekommen.
Die Nase hingegen ist das Organ das es uns ermöglicht Aromen wahrzunehmen. Der genaue Umfang unserer Fähigkeiten ist wissenschaftlich noch sehr umstritten und reicht von 5000 bis zu einer Billion unterscheidbarer Gerüche. Natürlich ist das von Mensch zu Mensch verschieden, jedoch ist erwiesen, dass Frauen einen schärferen Geruchssinn haben als Männer. Insofern ist es also nicht verwunderlich, dass bei der Verkostung gar nicht das Trinken der Spirituosen im Vordergrund steht, sondern das Riechen oder „Nosing“. Dafür gibt es sogar eigene Gläser, die durch ihre nach oben zusammenlaufende Form die Aromastoffe zur Nase bündeln.
Oft finden sich unter Produktbeschreibungen unterschiedlichster Spirituosen oder Weine tasting notes, die beschreiben wollen, wie dieses Produkt riecht. Diese können zwar ein ungefähres Bild darüber bieten, jedoch ist ein Teil der wahrgenommenen Noten rein subjektiv und daher nicht exakt beschreibbar. Viel interessanter ist daher die Aufzeichnung welche Produkte sich ähneln und ob diese Ähnlichkeiten eventuell einen gemeinsamen Ursprung haben könnten. Das macht umso mehr Sinn, wenn in Betracht gezogen wird, dass Menschen besser darin sind zwei Wahrnehmungen zu vergleichen als ein objektives Bild über eine zu geben.
Obwohl die Nase wichtig ist, hat die Zunge, gerade bei R(h)um den Vorteil, dass sie oft besser Süße und Schärfe wahrnehmen kann. Auch Adstringenz, also ein pelziges oder trockenes Mundgefühl, welches durch Tannine und Gerbstoffe hervorgerufen wird, kann nicht gerochen werden. Ein wichtiges Indiz für Qualität ist auch der Abgang einer Spirituose. Ein schnell abklingender Abgang kann oft auf eine kürzere Reifung hinweisen.
Zu guter Letzt möchte ich Ihnen noch ein paar Techniken präsentieren, um das Verkosten zu erleichtern. Natürlich setze ich hier beim Riechen an. Wenn Sie ein Nosingglas schräg halten, wird Ihnen auffallen, dass sich am oberen Rand häufig die leichteren Aromen ansammeln während unten der stechende Alkohol ist. Durch Variieren der Höhe, in der Sie das Glas halten, können Sie also schon ein Spektrum an verschiedenen Aromen erforschen. Oft lässt sich beim Verkosten von Wein das Schwenken beobachten, was dazu benutzt wird, Alkohol und Aromastoffe zu verdampfen. Bei einer Spirituose mit 37,5% und aufwärts verdampft dabei sehr viel Alkohol was zu einem stechenden Geruch führt. Ich empfehle daher anfänglich auf das Schwenken zu verzichten und es nur vorsichtig einzusetzen, wenn zu wenig Aroma aus dem Glas kommt. Sobald der Geruch stechend wird entfernen Sie das Glas von der Nase, sie wollen sich schließlich keine Geruchsknospen verbrennen.

Joeys Rumtipp:

Wir haben Nosinggläser vom Rumfestival 2018 im Angebot. Sie sind perfekt für das professionelle Verkosten von R(h)um angepasst und werden Ihnen dabei helfen neue Aromen zu entdecken.
Im Punkto Temperatur empfehle ich Zimmertemperatur, da die Zunge und die Nase ein Gefälle haben bei dem Aromen am besten wahrgenommen werden und dieses dort im Optimum liegt. Beim Trinken bieten sich kleine Schlücke an, etwa so wie wenn Sie den ersten Schluck eines heißen Kaffees nehmen. Bevor Sie den R(h)um dann direkt hinunterschlucken, sollten Sie ihn einige Sekunden im Mund liegen lassen, sodass er sich vollends ausbreiten kann. Manche Verkoster_innen setzen auch eine kauende Bewegung ein, die Aromen aus dem Mund in die Gaumenhöhle befördert, die den Geruchssinn stimulieren. Achten Sie dabei auch darauf wie sich die Spirituose im Mund anfühlt. Ist sie weich oder scharf, adstringent oder glatt? Anschließend ist der Abgang an der Reihe. Diesen können Sie auch noch etwas aufleben lassen, indem Sie durch den Mund ein- und die Nase ausatmen. Durch diesen, sogenannten Retronasalen Effekt, stimulieren Sie nochmals ihre Geruchsknospen.

Das Gesamtbild aus Geruch, Geschmack, Mundgefühl und Abgang ist schließlich das Gesicht des R(h)ums. Ich hoffe die vorgestellten Techniken und Informationen helfen Ihnen dabei in der Zukunft das Beste aus Ihrem Glas zu holen und ein tieferes Verständnis für die Produkte zu erlangen die Sie verkosten.