Stroh (aus Gras, nicht der Rum)

Liebe Rumliebhaberinnen und Rumliebhaber,


„Magst du Rum“ – „Ich hab‘ nur Stroh zuhause, haha.“ – eine oft gehörte Antwort. Doch was ist Stroh? Ist das überhaupt Rum?

Um zu beweisen, dass Rum auch wirklich Rum ist, muss die Spirituose unter anderem einen Alkoholgehalt von 37,5% vol. aufweisen (proof- zu deutsch: Beleg, Nachweis) Wenn Rum „Overproof“ ist, dann bezeichnet das also eine deutlich erhöhte Menge an Alkohol in der Spirituose.

Nach EU-Verordnung ist Kunstrum nicht Rum. Aufgrund der geschichtlichen Relevanz gibt es allerdings eine Ausnahme für die Bezeichnung von Kunstrum: In Österreich war es im 19. Jahrhundert auf Grund der – im Vergleich zu Deutschland - fehlenden Häfen schwierig, an Rum zu kommen. Deswegen kreierte ein österreichischer Apotheker namens Sebastian Stroh einen Kunstrum aus Wasser, Ethylalkohol und Essenzen als Geschmackstoffen (sowie Farbstoffen). Seine lange Erfahrung mit der Herstellung von Likören und Edelbränden bat ihm genug Expertise, um dieses Getränk tatsächlich geschmacklich Rum aus Zuckerrohr stark ähneln zu lassen. Der Rum wurde als „Inländerrum“ bezeichnet, um das im Inland produzierte Getränk von importierten Spirituosen abzugrenzen.
Erst seit 1999 muss Inländerrum auf Alkohol basieren, der so wie Rum aus Zuckerrohr hergestellt wird. Theoretisch handelt es sich bei einigen Kunstrumsorten außerdem um Overproof Rum, da Kunstrum in mehreren Stärken erhältlich ist – von 38 bzw. 40% vol über 60% vol und sogar bis zu 80% vol findet man für jeden Gebrauch die richtige Stärke.

Vor allem im österreichischen Inland hat sich Stroh etabliert. Er wird zum Kochen und Backen sowie zur Herstellung von Mixgetränken und Jagertee (starker Inländerrum), Rumtöpfe, Kompott oder Marmelade (milder Inländerrum) verwendet. Zum pur trinken eignet sich Kunstrum eher nicht. Auch im Ausland verbreitet sich die Bekanntheit von Kunstrum. Die Firma Stroh hat in den 70er Jahren den internationalen Durchbruch geschafft und ist mittlerweile unter anderem in Deutschland und Osteuropa sehr beliebt.
Zwei behandschuhte Hände, die eine Tasse Tee halten (bird eye view)